Johann Evangelist Seif

Pfarrer, Schulinspektor, Dekan, Oberkirchenrat, Ehrenbürger von Ochsenhausen

Geboren     
16. März 1839 in Galmütshofen bei Warthausen
als Sohn einfacher Söldnersleute

Gymnasium in Biberach und Ehingen

Studium der Theologie in Tübingen

Priesterweihe 9. August 1862 in Rottenburg

Kaplan, Vikar in Reinstetten, Magolsheim, Stafflangen und Steinhausen a.d.Rottum

1880 – 1920 Pfarrer in Ochsenhausen

1882 – 1886 Schulinspektor

1896 – 1920 Dekan des Dekanats Ochsenhausen

1912 Goldenes Priesterjubiläum

Ernennung zum Oberkirchenrat

Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Ochsenhausen

1920 Ruhestand

Gestorben   3. März 1922

100. Todestag 2022

Pfarrer Johann Evangelist Seif war 40 Jahre lang Pfarrer von Ochsenhausen (1880 – 1920). In dieser Zeit konnte er wichtige Dinge und Einrichtungen anstoßen, die das Leben in Ochsenhausen nachhaltig prägen sollten:

  • 1884 Kindergarten; * 1885 Industrieschule; * 1889 Krankenpflegeverein (heute Sozialstation); * 1898 Gesellenverein (heute Kolping); * 1903 Arbeiterverein; * 1906 Schwesternhaus; * 1916 Mütterverein (heute Kath. Frauenbund); * 1918 Töchterschule Sankt Walburga;
  • 1880-1882: Restaurierung der völlig heruntergekommenen Veitskapelle.
  • 1882-1885: Renovierung der Pfarrkirche St. Georg mit viel Eigenmitteln der Gemeindemitglieder und unter Mitwirkung der Malerin Maria Freudenreich.
  • 1. Mai 1883: Grundsteinlegung der Kapelle in Oberstetten. 27. September 1883 Einsegnung der Kapelle.

Pfarrer Seif arbeitete mit dem Lehrer und Maler Wilhelm Freudenreich (1822-1885) und dessen Tochter Maria zusammen, ebenso wir mit Zimmermaler Joseph Eh (1825-1899). Von Wilhelm Freudenreich ließ er sich auch portraitieren (Öl auf Leinwand, s. Abbildung). W. Freudenreich schuf auch die neugotischen Kreuzwegtafeln für die Klosterkirche.

1883: Erwerb des Wohn- und Ökonomiegebäudes des Gerbers Franz Merkle samt Grasgarten. Einrichtung des Wohngebäudes als Schwesternhaus und Kleinkindschule. Im Ökonomiegebäude entstand 10 Jahre später die erste Herz-Jesu-Kapelle (1894). Am 10. Mai 1884 trafen die ersten beiden Schwestern aus dem Kloster Reute ein.

  • 1899: Eröffnung der Bahnlinie Ochsenhausen-Biberach.
  • 1900: Romfahrt.
  • 16. Oktober 1918: Einweihung der Töchterschule „Sankt Walburga“.
  • 1920: Verzicht auf seine Ämter und Ruhestand.

Am 3. März 1922 starb Dekan Seif. Seine inzwischen denkmalgeschützte Grablege besteht bis auf den heutigen Tag und erinnert an den hochverdienten Seelsorger von Ochsenhausen, der um die Jahrhundertwende zum letzten Jahrhundert wesentliche Dinge im pastoralen sowie im sozial-caritativen Bereich grundlegte.

Im Zuge der Neuordnung der Pfarrersgrablegen (2019-2020) wurde das historische Grab restauriert und räumlich der neuentstandenen, ökumenischen Pfarrersgrablege zugeordnet (etwa 20 m weiter rechts vom Originalstandort). Die von Dekan Seif selbst verfasste Grabinschrift, seine Botschaft über den Tod hinaus, kann man dort bis heute lesen.

„Ich habe Euch eingepflanzt den heiligen Glauben. O verlieret ihn nicht!

Ich habe Euch gepredigt die heiligen Gebote. O übertretet sie nicht!

Ich habe Euch gewiesen den Weg zum Himmel. O verlasset ihn nicht!

Ich habe Eure Ehen eingesegnet. O kränket einander nicht!

Ich habe Eure Kinder lieb gehabt. O verwahrloset sie nicht!

Ich habe Eure Toten ins Grab gesegnet. O vergesset ihrer nicht!

Ich liege hier selbst begraben. O vergesset auch meiner nicht!“

 

Zusammengestellt von Dekan Sigmund F.J. Schänzle aus: Ochsenhausen. Von der Benediktinerabtei zur oberschwäbischen Landstadt, Hg. Max Herold, Weissenhorn 1994, 778-792